· 

FOTO*TEXT #36 - Oben auf'm Berg...

Oben auf'm Berg ist es stiller, oben auf'm Berg ist es wunderbar...

 

Ich hab diesen einen kleinen Satz gelesen. War sofort dabei, war innerlich gefesselt. Er hat mich gefesselt, und er hat mich berührt. Er hat mich und meine Seele berührt. Vielleicht hab ich die paar kleinen Worte ja auch nur deshalb so schnell an mich herangelassen, da ich sehr gut nachvollziehen kann, wie sich dieser Satz anfühlt, wie man ihn mit seinem eigenen Körper spüren und mit seinen eigenen Gefühlen aufsaugen kann. Viel zu selten schaffe ich es jedoch gerade diesem Satz selbst zu folgen, ihm genügend Raum in meinem Leben zu geben, auch wenn ich weiß, dass er gut tut – das es mir gut tut!

 

 

„Oben ist es stiller“ Oben! Wo ist dieses Oben? Wo ist diese Stille? Letztendlich ist dieses Oben sehr subjektiv und jeder Mensch hat diesen einen ganz besonderen Ort, welchen er als „Oben“ bezeichnen kann. Einen physischen oder einen mentalen Ort, welchen er für sich ausgemacht hat, wo es ihm besser und gut geht, wo man sich wohlfühlt und innerlich zur Ruhe kommt...

Oben auf'm Berg ist es stiller, oben auf'm Berg ist es wunderbar – An diesem Satz ist für mich was Wahres dran. Für mich dreht sich die Welt dort Oben langsamer, etwas ruhiger, die Menschen die mir hier begegnen „ticken“ gelassener und es ist ein sehr erhabenes Gefühl „von oben“ auf die Welt zu schauen. Ich nehme unnatürliche Geräusche reduzierter wahr, einige Geräusche fallen gänzlich weg und mein Fokus richtet sich sehr schnell auf die natürlich vorhandenen NaturGeräusche. Es ist Balsam für meine Ohren, für meine innerer Ruhe, wenn der Wind mir um die Ohren pfeift, die Vögel mit Gezwitscher über mich hinwegfliegen und in der Ferne die ein ums andere Kuhglocke zu hören ist. Die Natur, so scheint es mir, ist dort Oben etwas gemächlicher unterwegs, und sie strahlt eine ganz besondere Aura aus. Der Blick in die Ferne kommt einer innerlichen Weitsicht gleich. Ich kann hier oben Dinge sehen, welche ich unten im Tal nicht zu sehen vermag. Vielleicht auch durch meine eigene innere Blindheit, dort unten im Tal? Oben auf'm Berg schaffe ich es leichter, mit mir im Reinen und im inneren Gleichgewicht zu sein, ja, auch mein Körpergefühl ist dort oben auch etwas leichter...

 

Oben auf'm Berg wo ein freundliches Du gleich eine gewisse Behaglichkeit weckt.

Oben auf'm Berg – wo eine kleine feine Hütte für mich ein kleines Seelenhaus ist.

Oben auf'm Berg – wo sich die Welt einfach langsamer zu drehen vermag.

Oben auf'm Berg – wo ein ganz besonderer Kraftort sein kann.

 

Ich könnte hier bestimmt noch sehr viel mehr Eigenschaften über „mein“ Oben aufzählen, aber ich glaube, man kann solch einen Ort und das damit verbundene Gefühl nicht angemessen beschreiben. Ich kann dies nicht und ich denke, man kann das was dort Oben mit einem passiert auch nicht mit ein paar einfachen Worten beschreiben und abhandeln. Vielleicht muss ich es auch nicht, vielleicht muss man dieses „Oben auf'm Berg ist es einfach stiller“ einfach selbst erlebt haben.

 

Das, was ich zu meinem eigenen Bedauern bis jetzt noch nicht geschafft habe, ist dieses Gefühl, das ich auf der Höhe verspüre langfristig mit ins Tal und in meine Heimat mit zu nehmen. Dieses leichte und unbeschwerte Gefühl, die herrlich frische Bergluft und diese unbändige Stille – all das lässt sich nicht einfach wohldosiert einfrieren und beim Anflug von schlechter Laune auftauen und inhalieren. Bis jetzt habe ich noch keine Möglichkeit gefunden, diese ganze BergAura für mich zu vakuumieren. Leider.

 

Durch das Betrachten von meinen eigenen aufgenommenen Fotos kann ich zwar wieder in das visuelle Gefühl eintauschen, und es löst auch eine gewisse Wärme in meinem Körper aus. Aufladen kann ich damit meinen Seelentank jedoch nicht... Für dieses kostenlose ObenBergGefühl habe ich keine Speichermöglichkeit inne und mein geladener Akku ist da unten im Tal zu schnell leer und aufgebracht. Die nächste Ladestation ist noch nicht in Sicht... [ Bild / Text © Marco Völzke, August / Oktober 2019 ]