Eine Stadt zwischen Ost und West, zwischen Orient und Okzident und eine Stadt der "1000" Katzen – so habe ich Istanbul wahrgenommen.
Wäre ich ohne Fußball, ohne dieses nicht vorhersehbare Finalspiel des SC Freiburg einfach so nach Istanbul an den Bosporus gereist? Derzeit wohl eher nicht – und
das hat ausschließlich mit der politischen und autokratischen Lage in der Türkei zu tun.
Rund 16 Millionen Menschen leben in Istanbul, wobei die überwiegende Mehrheit im europäischen Teil der Stadt zu Hause ist. Und obendrauf kommen noch ein paar
freilaufende Katzen hinzu. Gezählt habe ich sie natürlich nicht persönlich, doch wenn man verschiedenen Informationen Glauben schenken darf, soll ihre Population bei rund einer Million liegen.
Sie sind so selbstverständlich in den Alltag und das öffentliche Leben integriert, dass sie aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken sind. Man begegnet ihnen nicht nur auf öffentlichen Plätzen
und in Parks – sie begrüßen dich auch morgens im Café.
Morgens Menemen (gehackte Tomaten, Paprika und Eier) und dazu einen türkischen Kaffee – ja, ich brauche meinen Kaffee, auch wenn man diesen zum Frühstück in der
Türkei wohl eher nicht trinkt und stattdessen lieber Tee serviert. Mittags eine kleine Pide mit Sucuk und abends gab’s dann eine leckere Tavuk Sote mit Bulgur serviert in einer Gusseisenpfanne
(klassisches türkisches Gericht mit Hähnchenbrust in einer aromatischer Sauce und Gemüse) und eine große Schale Ezme dazu. Kulinarisch bin ich in Istanbul voll auf meine Kosten gekommen. Und ja,
ich habe auch Baklava probiert. Ein paar. Ein paar viele…
Ich hatte während meines Aufenthalts in Istanbul immer das Gefühl, dass diese Stadt nicht wirklich zur Ruhe kommt, nicht in einen nächtlichen Ruhemodus schalten
kann. Stets war eine leichte Menschenströmung auf den Straßen unterwegs, kleine Geschäfte boten bis tief in die Nacht ihre Waren feil. Nach ein paar Tagen war mir diese Hektik und der ganze
Menschentrubel dann doch etwas zu viel.
Das Spannendste waren für mich jedoch die unterschiedlichen Menschen – die Fischer am Bosporus, die Händler auf den Märkten und dazwischen die vielen Touristen und
Einheimischen. Diese Mischung aus Ost und West, aus Tradition und Moderne war für mich ein sehr bereicherndes Spannungsfeld – und das nicht nur in fotografischer Hinsicht.
Istanbul hat mich beeindruckt, manchmal auch überfordert, aber sicher nicht gleichgültig gelassen. Die Stadt ist laut, widersprüchlich, lebendig und voller kleiner Gegensätze. Vielleicht liegt genau darin ihr besonderer Reiz. Ich bin mit vielen Bildern im Kopf, unzähligen Eindrücken und ein paar Streetbildern wieder nach Hause gereist. Dazwischen gab’s auch noch etwas Bier, Fußball und Regen. Und obwohl ich mir zwischendurch immer wieder etwas mehr Ruhe gewünscht habe, bin ich glücklich, diese faszinierende Stadt erlebt zu haben.
Istanbul, 18. Mai bis 25. Mai
