Januar 2018  -  Mein erstes Foto im neuen Jahr...

Ich konnte mich nach Tagen der frischluftfreien Isolation aufraffen meine zwei gesunden Füße vor die Haustüre zu setzen, um etwas in der Natur zu spazieren und um ein paar Fotos zu machen. Mein Geist war willig, ich war guter Dinge, meine Füße jedoch weich wie Pudding. Ich nahm also, aus gegebenem Anlass, meinen fahrbaren Untersatz und fuhr planlos drauf los. Mein Kopf konnte sich noch nicht so richtig auf die viel zu schnell vorbei sausende Landschaft einstellen und meine Gedanken waren eher damit beschäftigt mich daran zu erinnern, dass meine Psyche wieder einen internen Kampf mit mir am ausfechten ist.

 

Nach gefühlten zwei Stunden, in Wirklichkeit waren es vielleicht dreißig Minuten, des ziellosen Umherfahrens parkte ich das Auto irgendwo am seitlichen Straßenrand einer sehr wenig befahrenen Landstraße. Mit meiner Kamera in der Hand marschierte ich entlang eines breiten und etwas schlammigen Weges Richtung Natur. Die ersten Motive und Fotos waren nicht wirklich das, was ich mir vorstellte und was gerade auch nicht zu meiner derzeitigen Stimmung passte. Nach ein paar sinnlosen Fotos von Ästen und Bäumen merkte ich jedoch, wie ich, mein Auge und meine Kamera sich wieder fanden. Der Akku zeigte mir jedoch mit noch verbleibenden 5% sehr deutlich an, dass ich mich etwas mit der Motivsuche beeilen sollte. Ein paar Aufnahmen später zeigte mir das Kamera-Display folgende Meldung an: „Datenspeicherung nicht möglich“ - „Zur Datenrückgewinnung bitte OK drücken“! Ich drücke voller Erwartung den OK-Button. Das Display sprach nach ein paar Sekunden mit mir und teilte mir unverfroren mit, dass der Akku zu schwach für die Datenrückgewinnung sei. Die Kamera machte keinen Mucks mehr. Innerlich war jetzt der Zeitpunkt erreicht, wo ich etwas am kochen war und mich fragte, warum ich meine Füße vor die Haustüre gesetzt habe. Der Zweit-Akku sprach das gleiche. Auch der Dritt-Akku zeigte mir gleich, dass er für die Datenrückgewinnung zu schwach sei.

 

In mir brach eine etwas größere Verzweiflung aus und mein Nervenkostüm war leicht am durchdrehen. Und wie es der Zufall nicht anders wollte, tauchte am Horizont eine freistehende Baumreihe auf und die Wolken formierten sich zum Tanz. In meinen Gedanken machte ich jetzt einen „klick“! Ich fing an in meiner Hosentasche nach dem Smartphone zu suchen. Die Tasche war jedoch nicht leerer als meine Akkus. Rucksack durchsucht - immer noch kein Smartphone in der Hand. Mein innerer Hermann fing auch prompt an mit mir ein paar nicht so freundliche Worte zu sprechen. Ich machte mich auf den Rückweg zum Auto, in der Hoffnung, dort mein Smartphone zu suchen, zu finden und um das gedankliche Foto auf die Speicherkarte zu bannen....

 

In diesen gefühlten vier Stunden erlebte ich innerlich eine kleine Berg und Talfahrt, welche sich rückblickend durchaus sehen lassen kann - also das Foto, nicht mein Nervenkostüm. [ Text und Bild © Marco Völzke - archipixel, Januar 2018 ]